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Nicht wenige Eltern sind überrascht, wenn das Baby – anstatt nach dem Stillen entspannt und ruhig einzuschlafen – unruhig ist und über Stunden immer wieder gestillt werden möchte. Dieses Verhalten zeigen Babys am häufigsten in den Abendstunden, gerade wenn die Mutter auch schon müde ist vom langen Tag mit dem Baby. Da dies so oft vorkommt, hat es auch einen Namen: Clusterfeeding. Der Ausdruck „Cluster“ kommt aus dem Englischen und heißt „Häufung“ oder „Ansammlung“. Und genauso stellt sich das Stillen dar: Das Baby meldet sich in ganz kurzen Abständen und lässt sich kaum mit etwas anderem als Stillen beruhigen. Andere Ausdrücke sind „Lagerfeuer-Stillen“ oder „Menü-Stillen“. Mit diesen treffenden Bezeichnungen kann das normale Verhalten des Babys gut erklärt werden. Dies ist wichtig, denn Mütter erleben dies sonst oft als beängstigend und frustrierend. Der Magen des Babys hat kein großes Fassungsvermögen, darum sind häufige kleine Stillmahlzeiten besser. Größere Mengen, die seltener gegeben werden, bedeuten für das Baby mehr Stress oder sogar Schmerzen.

Rechtzeitige Information – möglichst schon in der Schwangerschaft – und gute Begleitung nehmen den Druck, beruhigen die Eltern und sichern oft eine ungestörte weitere Stillzeit. In den „Klinischen Leitlinien zur Etablierung des ausschließlichen Stillens“ von ILCA heißt der Standard Nr. 19: Sicherstellen, dass die Mütter über das normale Stillverhalten des Säuglings Bescheid wissen und über realistische Erwartungen hinsichtlich Säuglingspflege und Stillen verfügen.

Unter Häufigkeit und Dauer des Stillens wird das Clusterfeeding genannt, bei dem manche Säuglinge über einen Zeitraum von zwei bis sechs Stunden stündlich trinken und dann für einen längeren Zeitabschnitt schlafen. Das Clusterfeeding beginnt oft schon in den ersten Tagen im Krankenhaus, obwohl da zum normalen Verhalten des Clusterfeedings oft die Reizüberflutung dazu kommt. Im Krankenhaus ist das Kind erst einige Stunden und Tage alt, aber Mutter und Kind haben verschiedene Termine wahrzunehmen (Visiten, Kinderarzt, Rückbildung, Fotograf…), dazu kommen meist sehr viele BesucherInnen, alle wollen das Baby sehen und am liebsten auch im Arm halten. Das ist für die meisten Neugeborenen eine Überforderung in den ersten Tagen. Auch wenn es scheint, dass sie alles verschlafen.

Das ist auch ein Grund, warum sie dann am Abend und in der ersten Nachthälfte oft mit Dauerstillen und Weinen reagieren. Schnell führt dies zur Überforderung der Mutter und sie empfindet das Stillen als sehr anstrengend. Spätestens hier sollte der Mutter dieses Phänomen „Clusterfeeding“ erklärt werden. Clusterfeeding hängt mit dem Hormon Cholecystokinin (CCK) zusammen. Dieses ist ein gastrointestinales Hormon, es löst ein Gefühl von Sättigung und Wohlbefinden aus. Während des Saugens wird dieses Hormon bei Mutter und Kind ausgeschüttet, was beide mit der Zeit schläfrig macht und dem Baby schließlich vermittelt, dass es satt ist. Der erste CCK-Anstieg wird durch das Saugen und Stillen direkt ausgelöst, beim Baby kommt noch ein zweiter Anstieg nach 30–60 Minuten durch die Milch im Verdauungstrakt dazu. Es scheint aber ein Fenster zu geben, das das Baby ca. 10 Minuten nach dem Stillen wieder aufwachen und nach der zweiten Seite bzw. nach einer Fortsetzung des Stillens verlangen lässt. Und dies kann sich sogar über Stunden mehrmals hintereinander wiederholen.

Die gute Nachricht dabei ist, dass das Baby nach einigen solchen Phasen meist in einen tiefen langen Schlaf fällt. Wie im ABM Clinical Protocol Nr. 3 „Supplementary feedings in the Healthy Term Breastfed Neonate“ festgehalten wird, sollte der Mutter vermittelt werden, dass Clusterfeeding gerade am Abend ein normales Verhalten ist.

Im Krankenhaus kann es zum Anlass genommen werden, beim Stillen noch einmal eine Weile dabei zu bleiben, der Mutter zu einer angenehmen bequemen Position zu verhelfen, in der sie auch längere Zeit verweilen kann und in der das Baby die Möglichkeit hat, immer wieder in tiefen Zügen und effektiv zu trinken (mothering the mother). Zu Hause kann auch kurzzeitiges Tragen des Babys helfen, dies kann auch eine andere Betreuungsperson übernehmen. So verschafft sie der Mutter kleine Pausen zum Erholen.

Eine beruhigende Information kann auch sein, dass sich das Baby mit dem Clusterfeeding die Milchproduktion für den nächsten Tag sichert. Denn Prolaktin ist zwar nach ca. 5 Minuten bereits an den Rezeptoren der Laktozyten nachweisbar, innerhalb von 20–30 Minuten erreicht es seinen höchsten Wert, seine volle Wirkung auf die Zellen und die Milchbildung entwickelt Prolaktin jedoch erst nach 8–16 Stunden. Wird zusätzliche Nahrung zugefüttert, wird dieses interessante Wechselspiel empfindlich gestört und kann zu Milchmangel führen. In den ersten drei Monaten sichert die Prolaktinausschüttung durch das häufige Stillen die Milchmenge. Nach ca. 3 Monaten hat die Mutter einen Basis-Prolaktin-Spiegel, der nur 3–5 Mal höher ist als der einer menstruierenden, nicht stillenden Frau. Wenn weiterhin gestillt und damit Prolaktinausschüttung stimuliert wird, so ist diese bis ca. 24 Monate noch etwa doppelt so hoch wie bei nicht stillenden Frauen (Lawrence 1999). Ein höherer Prolaktinwert ist für die Milchproduktion nicht mehr nötig. Clusterfeeding ist ein normales Verhalten der ersten 2–3 Monate.

Wenn Eltern dies nicht wissen, beginnen sie häufig, am Abend Babynahrung zuzufüttern, weil sie meinen, dass die Milch zu wenig sei. Die Brust fühlt sich zu Hause bald weich an, gut gefüllt ist sie meist nur nach einer längeren Pause zur letzten Stillmahlzeit. Gerade abends scheint sie „leer“ zu sein. Und dazu ein unruhiges, quengeliges, dauerstillendes Baby. Da ist es nicht verwunderlich, dass gerade Frauen, die wenig über das Stillen wissen, meinen, die Milch reiche nicht mehr aus. Dazu kommen häufig die guten Ratschläge von Familie, Bekannten und auch Fremden, die alle zum Stillen eine Meinung haben. Im ABM Clinical Protocol Nr. 2, dem „Going home Protocol“ wird empfohlen, nicht nur Mütter über das normale Verhalten des Kindes aufzuklären, sondern auch Väter, Großeltern und andere Betreuungspersonen einzubeziehen. Alle sollen Bescheid wissen über die Stillzeichen, die Ausscheidungen, an denen erkannt wird, dass ein Baby genügend Muttermilch zu sich nimmt, über das Schlafverhalten und den sicheren Schlafplatz, über den Einfluss von Medikamenten, Nikotin und Alkohol und auch über die Fütterungsmuster, die Babys an den Tag legen. Dazu gehört auch das abendliche Clusterfeeding. Aufgeklärte, gut informierte Eltern können sich auf dieses Verhalten des Babys besser einstellen und können ihr Baby dabei mit Ruhe und Geduld begleiten. Das Wissen darüber gibt Sicherheit und Gelassenheit, vor allem auch mit der Perspektive, dass es nach ca. drei Monaten vorbei sein wird.

Clusterfeeding
Autorin: Isolde Seiriniger, IBCLC

 

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